Ein Traum wird Realität

Leitartikel im Crottendorfer Anzeiger zur Drehleiter

Ein Traum wird Realität

Es ist Freitag, der 03.11.2017, kurz nach halb neun und für alle Beteiligten ein Gänsehautmoment. Ca. 60 Kameraden und Feuerwehrfreunde stehen mit Fackeln Spalier und begrüßen ein neues Fahrzeug im neuen Zuhause. Das ist in der 141-jährigen Geschichte der Feuerwehr Crottendorf ein wahrhaft historischer Augenblick, weil es nicht einfach ein neues Fahrzeug ist. Man kann es vielleicht so umschreiben: Was für einen Bergsteiger der Mount Everest, ist für eine freiwillige Feuerwehr eine Drehleiter. Es ist eine neue komplett neue Technik und damit auch eine komplett neue Herausforderung für die gesamte Wehr.

Doch halten wir kurz Rückschau:

Es ist nun schon mehr als 4 Jahre her, als wir in der Feuerwehr über eine Drehleiterbeschaffung nachdachten. Zu dieser Zeit gab es im Altlandkreis Annaberg nur die Drehleiter in Buchholz und Diskussionen über eine zweite und vielleicht eine dritte Drehleiter.

Unser Vorhaben trugen wir dem Kreisbrandmeister, unserem damaligen Bürgermeister und dem Gemeinderat vor. Ein Standplatz im eben erst neu gebauten Gerätehaus war vorhanden und die Tageseinsatzbereitschaft gesichert. So wurden erste Angebote eingeholt, die jedoch unsere Euphorie dämpften. Von Summen bis zu 750.000 EUR war die Rede. Aber die Notwendigkeit war allen bekannt und so stellte unsere Gemeinde einen Fördermittelantrag.

Und diese standen nach einem Treffen im Landratsamt mit Landrat Herrn Vogel, dem zuständigen Sachbearbeiter Herrn Stahl und unserem Bürgermeister Herrn Reinhold schneller zum Abruf bereit, wie gedacht.

Aber wir waren noch nicht soweit. Die Finanzierung der nicht unerheblichen Unterhaltungskosten war noch nicht geklärt und auch ein Vorlauf bei der Ausbildung der Drehleitermaschinisten fehlte.

So wurden die Fördermittel nicht abgerufen. Diese gingen dann an Ehrenfriedersdorf und wurden dort für den Kauf einer Drehleiter genutzt.

Aber wir gaben nicht auf. Der Fördermittelantrag lief ja noch und auch Ideen für die Finanzierung gab es von unserer Kämmerin Frau Richter. Es wurden Fördermittel von über 400.000 EUR in Aussicht gestellt und auch die Eigenmittel im Haushaltsplan in den nächsten Jahren mit eingestellt. Das war Anfang 2014.

Am 15.04.2014 besuchte uns die Firma Metz mit ihrer Drehleiter und zwei Wochen später die Konkurrenz von Iveco Magirius. An 5 Objekten konnten wir die Technik im Einsatz erleben.

Anfang 2015 wurde das Landratsamt in Person von Herrn Stahl nochmals auf die Drehleiterbeschaffung aufmerksam. Und so wurden alle Kommunen in Sachsen, die den Kauf einer Drehleiter beabsichtigen, ins Feuerwehrtechnische Zentrum nach Pfaffenhain eingeladen. Dort stellten 3 namhafte Hersteller ihre Fahrzeuge vor. Der Hintergrund war eine Sammelbeschaffung zu initiieren, um letztendlich günstigere Preise erzielen zu können.

Am 10.07.2015 trafen sich die Feuerwehren aus Zschopau, Olbernhau, Schneeberg und Crottendorf um dieses Vorhaben im Erzgebirgskreis umzusetzen. Ein gemeinsames Leistungsverzeichnis sollte erstellt werden. Zwei weitere Treffen folgten und alle waren sich einig.

Am 10.09.2015 wurde vom Gemeinderat Crottendorf unter dem neuen Bürgermeister Martin eine Grundsatzentscheidung für den Kauf einer Drehleiter unter gewissen Voraussetzungen getroffen und beschlossen.

Eine dieser Voraussetzungen war, die Unterhaltungskosten anteilsmäßig auf die Kommunen umzulegen, die zum Ausrückebereich gehören. Das hört sich einfacher an als es ist, denn die Lösungsfindung ist noch nicht abgeschlossen. Es wird derzeit an einem Konzept gearbeitet, das dann für alle Kommunen mit Drehleiter gelten soll.

Im Jahr 2016 stand unser Vorhaben auf Platz 2 der Prioritätenliste für Feuerwehrtechnik für den Erzgebirgskreis. Am 15.06.2016 erhielt die Gemeinde Crottendorf, vertreten durch unseren stellvertretenden Bürgermeister Herrn Richter, von Landrat Herrn Vogel den Fördermittelbescheid in Höhe von 438.000 EUR überreicht. Da für Zschopau und Schneeberg noch keine Fördermittel zur Verfügung standen, zerschlug sich die Sammelbeschaffung. Bei nochmaliger Vorsprache beim Gemeinderat wurde von uns der Kauf eines Vorführfahrzeugs vorgeschlagen, das auch die Anschaffungskosten senken würde.

Im Januar 2017 trafen wir uns mit Vertretern der Firma Metz hier in Crottendorf, um mit Ihnen die Problematik Vorführfahrzeug zu diskutieren. Am 10.02.2017 fuhren wir nach Karlsruhe und schauten uns ein solches Fahrzeug an. So wurde das Leistungsverzeichnis nochmals überarbeitet und am 17.03.2017 der Auftragsvergabestelle in Dresden vorgelegt. Diese begleitete uns den gesamten Weg von der Ausschreibung bis zum Vertragsabschluss und hielt uns auf der rechtlichen Seite den Rücken frei.

Am 25.07.2017 wurde vom Gemeinderat der Kauf beschlossen und die Bestellung ausgelöst. Der Auftrag ging an die Firma Rosenbauer Metz in Karlsruhe.

Am 28.07.2017 fuhren wir zur Baubesprechung nach Karlsruhe. Die Auslieferung sollte am 15.09.2017 erfolgen, doch aufgrund betrieblicher Probleme verschob sich der Termin auf den 03.11.2017. Wir waren etwas enttäuscht, weil schon so viel vorbereitet war.

Aber die Zeit wurde genutzt. So wurde zusätzlich die Handyalarmierung eingeführt und ein Großdisplay sowie ein Alarmdrucker mit Fax im Umkleideraum installiert. Neben den Kameraden, die ihre Teilnahme am Einsatz bestätigt haben, werden dort auch die Einsatzdaten angezeigt. Außerdem wird die Einsatzadresse automatisch auf das Navigationssystem übertragen.

Der Mannschaftstransportwagen wurde in Eigenleistung und durch Spenden in einen Einsatzleitwagen umgebaut. Er hat jetzt entsprechende Technik an Bord und unterstützt die Drehleiter und das Tanklöschfahrzeug im Verband bei überörtlichen Einsätzen.

Am 02.11.2017 fuhren 7 Kameraden zur Einweisung und Abholung nach Karlsruhe und trafen einen Tag später nach 8 Stunden Fahrt, wie anfangs beschrieben, in Crottendorf ein.

Für alle 45 aktiven Kameraden, darunter 24 Atemschutzgeräteträger, ist die gesamte Technik komplettes Neuland und wir sind uns der Verantwortung bewusst.

Der Dienstrhythmus wurde daher von 14-tägig auf wöchentlich umgestellt. Das wird sicherlich noch im Jahr 2018 so bleiben.

Nach intensiver Ausbildung (teilweise täglich) und 3 Lehrgängen an Wochenenden sind wir nun in der Lage, unsere Drehleiter bei den Einsätzen sicher zu bedienen.

Insgesamt 4 Maschinisten sind bereits an der Landesfeuerwehrschule Nardt zu Drehleitermaschinisten ausgebildet. Im Jahr 2018 werden 4 weitere folgen. Außerdem waren schon Kameraden am 02.12.2017 zu einem Fahrsicherheitstraining auf dem Sachsenring, das finanziert durch Spenden im Jahr 2018, für alle Maschinisten durchgeführt werden soll.

An dieser Stelle sei ein besonderer Dank allen Familienangehörigen der Kameraden gesagt, die ihre Lieben noch mehr als sonst entbehren mussten und vielleicht auch noch müssen.

Am 30.12.2017 wurde schließlich in einer feierlichen Festveranstaltung mit mehr als 200 Gästen unsere Drehleiter mit dem Namen „Luna“ offiziell in Dienst gestellt. Die Weihe übernahm Pfarrer Preißler. Übrigends Luna ist die Schutzgöttin der Wagenlenker. Die Idee zum Namen kam von unserer Frauengruppe.

Die neue Technik:

Die Automatik-Drehleiter mit Rettungskorb – DLK(A)23-12 – von der Firma Rosenbauer/Metz in der Ausführung L32A XS 2.0 Gelenkleiter, ist im Moment das modernste Fahrzeug seiner Art, das in Deutschland erhältlich ist. Das Fahrgestell ist ein 14,5 Tonnen Mercedes-Benz 1530 F Ateco mit Euro 6 Dieselmotor (300 PS), Automatikgetriebe, Schleuderketten, Klimaanlage, Spurhalteassistent und Navigationssystem.

In den Geräteräumen sind unter anderem verlastet: Schlauchkorbtrage, Schwerlasttrage (bis 300kg), Rollstuhlplattform, Schuttmulde (bis 300kg), elektrischer Lüfter, elektrische Kettensäge, 8 KVA Notstromaggregat und ein elektrischer steuerbarer Wasserwerfer.

Der Leiterpark verfügt über ein 4,65 m langen Gelenkteil, um auch Dachgauben, Mansarden oder Vorsprünge zu erreichen. Dadurch reicht eine Aufstellfläche von 6 Meter aus, um die Drehleiter einsetzen zu können. 4 Kameras, davon 3 im Leiterpark und Korbboden sorgen für die notwendige Übersicht für den Maschinisten. Umfeldbeleuchtung, Trittstufenbeleuchtung und insgesamt 11 LED Strahler an Leiterpark und Korbboden sorgen für eine hervorragende Ausleuchtung bei Dunkelheit. Der Rettungskorb verfügt über eine Nutzlast von bis zu 500 kg und ermöglicht eine Arbeitshöhe von max. 32 Meter. Sprühdüsen am Korb schützen die Korbbesatzung vor Wärmestrahlung.

Da wir uns für ein 4 Monate altes Vorführfahrzeug entschieden haben, wurden Kosten in Höhe von 110.000 EUR gespart. Der Gesamtpreis betrug 585.000 EUR, wobei die Gemeinde Crottendorf Eigenmittel in Höhe von 147.000 EUR aufwendete, da 438.000 EUR als Fördermittel zur Verfügung standen.

Unsere Drehleiter sorgt nicht nur für mehr Sicherheit in Crottendorf, sondern auch im Altlandkreis Annaberg. Zu unserem Ausrückebereich gehört unter anderem auch Oberwiesenthal mit seinen großen Hotels. Inzwischen ist die Drehleiter schon zu 7 Einsätzen ausgerückt, 3x nach Annaberg, 1x Neudorf und 1x nach Sehma. Und wenn mit diesem Fahrzeug nur ein Menschenleben gerettet oder größerer Schaden bei einem Schadensereignis verhindert werden kann, dann haben sich die Anschaffungskosten mehr wie gelohnt

Abschließend möchten wir uns nochmals bei allen bedanken, die zum Gelingen des Vorhabens beigetragen haben. Besonders dem Landrat Herrn Vogel, unserem ehemaligen Bürgermeister Herrn Reinhold, unserem Bürgermeister Herrn Martin, dem Gemeinderat, Frau Peschke, Frau Fiedler und Frau Richter von der Gemeindeverwaltung, allen Sponsoren und Unterstützern unserer Feuerwehr.

Gemeinsam mit allen Bürgerinnen und Bürgern können wir stolz auf das Erreichte sein.

Fotos: Feuerwehr Crottendorf, Chris Bergau